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1. Kapitel

 

Zelten fällt aus

 

Völlig durchnässt setzte sich Berta auf einen Baumstamm, wischte ihr Gesicht trocken und schimpfte: „Eine völlig hirnverbrannte Idee war das, seht nur, wie ich diesmal aussehe!“

„Du siehst aus wie wir alle, also reg dich ab“, knurrte Elfriede. „Wer konnte denn damit rechnen, dass das Zelt kaputt geht. Wir sehen jetzt zu, dass wir zu mir nach Hause gehen, meine Eltern kommen erst später heim.“

Elfriede, Daisy, Jennie, Susi, Rosie, Berta, Bernie und Norbert sahen wirklich nicht besonders vornehm aus. Sie waren klitschnass und schmutzig. Alle dachten daran, dass Marie sich glücklich schätzen konnte, weil sie nicht mitkommen durfte. Ihre Eltern waren nämlich ins Kino gegangen und Marie musste auf ihre kleine Schwester Bärbel aufpassen. Natürlich war sie darüber nicht begeistert, aber das half ihr nichts. Doch wenn sie jetzt zum Fenster hinausgucken würde, dann würde sie bestimmt wissen, dass ihre Freunde beim Zelten im Zauberwald wenig Spaß hatten. Es war nun schon das zweite Mal, dass ihre Übernachtung im Zauberwald schief ging. Das erste Mal war Rosie in ein Brennesselgestrüpp gefallen und Berta in eine Schlammkuhle. Auch da mussten sie wieder umkehren. Diesmal hatte sich beim Aufbauen das Zelt an einem abgebrochenen Ast verfangen und beim Versuch, es wieder zu befreien, riss die Zeltwand ein. Als der Wind und der Regen immer stärker wurden, wurde auch der Riss größer und das Zelt brach zusammen. Ihre Sachen waren völlig durchnässt und sie selbst waren nass bis auf die Haut. Als sie durch den strömenden Regen wanderten, sah Jennie etwas, das sich über den Gipfeln der Bäume bewegte.

Zelten fauml;lt aus...

„Seht mal dort, was ist denn das?“ Sie zeigte auf ein paar weit entfernte Punkte am Himmel.

„Sieht aus wie ein paar blöde Vögel“, grummelte Berta. „Wen interessiert das schon.“

„Das sind keine Vögel. Es ist viel größer, das ist etwas anderes,“ sagte Jennie.

Elfriede blieb nun auch stehen und hielt die Hand über die Augen, um sie vor dem strömenden Regen zu schützen.

„Keine Ahnung was das ist. Lasst uns lieber schnell ins Trockene gehen.

Sie beeilten sich. Noch waren sie völlig ahnungslos, was sie da soeben gesehen hatten und was nun auf sie zukommen würde.

 

„Mensch, freue ich mich darauf, heute Abend die Füße vor dem Fernseher hochzulegen.“

Elfriede seufzte und sah missmutig auf ihre völlig verdreckten Schuhe.

„Denk bitte daran, dass wir noch in die Badewanne müssen. Fernsehen fällt heute bestimmt aus.“

„Aber wieso denn, Berta, das geht doch schnell!“

„Das geht nicht schnell. Wir sind schließlich sehr schmutzig und Haare waschen müssen wir auch noch.“

 

Elfriede seufzte wieder. Das konnte ja lustig werden mit dem Übernachten bei Berta. Es war alles Bommels Schuld, denn schließlich hatte Elfriedes Vater sich vorgenommen, das Kinderzimmer zu tapezieren. Dabei war er auf ihr Bett gestiegen, um besser an die Zimmerdecke zu kommen. Leider brach dabei das Bett zusammen. Bommel fiel in den vollen Kleistereimer und nun durfte Elfriedes Zimmer für ein paar Tage nicht mehr betreten werden. Bei Bruno wollte sie nicht schlafen. Eigentlich wollte sie ja bei Daisy oder Jennie übernachten, aber Berta hatte als erste gefragt und Elfriede mochte nicht Nein sagen.

„Was gibt es bei euch denn zum Abendbrot?“

Berta überlegte. „Ich glaube, es gibt frischen Salat.“

„Mit Brot und Aufschnitt?“

„Nun, Elfriede, man soll abends nicht soviel essen, sagt meine Mama immer.“

„Und warum ist deine Mama so dick?“ mischte Rosie sich ein.

Berta lief puterrot an.

„Das, meine liebe Rosie, liegt an der Verankerung.“

„Du meinst Veranlagung,“ verbesserte Daisy.

„Sage ich doch. Das ist nun einmal so.“

„Das glaube ich nicht, meine liebe Berta. Zufällig weiß ich genau, dass deine und meine Mama nach dem Mittagessen immer zusammen bei Kaffee und Kuchen sitzen. Zufällig, meine liebe Berta, weiß ich auch, dass deine Mama immer am meisten isst.“

„Also, meine liebe Rosie, das ist doch wohl eher umgekehrt!“

Rosie und Berta

„Nein, meine allerliebste Berta, das...“

„Könnt ihr endlich einmal die Klappe halten,“ meldete sich Jennie. „Ich kann mich überhaupt nicht auf den Weg konzentrieren.“

 

Der Weg wurde in der Tat immer schwieriger, denn der Boden war durch den ständigen Regen aufgeweicht und jeder musste scharf aufpassen um nicht auszurutschen. Es war so dunkel, dass man fast nicht mehr die Hand vor Augen sehen konnte. Nur der Strahl von Jennies Taschenlampe zeigte ihnen den Weg. Immer wieder stießen sie gegen herunterhängende Äste und Zweige. In das Prasseln des Regens mischten sich Geräusche von knackendem Geäst und unsere Freunde sahen sich immer wieder ängstlich um. In der Dunkelheit war jedoch nichts zu erkennen. So manches Mal schien es ihnen, als ob links und rechts Schatten vorbei huschten. Die Kinder waren dicht aneinander gedrängt und wünschten, doch bald wieder zu Hause zu sein.

 

„Habt ihr auch das Gefühl, dass uns jemand beobachtet?“ fragte Susi.

Zelten fauml;lt aus...

„Das ist nur der Wind, der durch die Bäume fegt,“ versuchte Elfriede die anderen zu beruhigen, aber sicher war sie sich auch nicht. Immer wieder gingen ihre Blicke zur Seite und jedes Mal war es ihr, als ob sich da irgend etwas schnell verstecke. Die unheimliche Wanderung führte sie zwischen großen, alten Eichen hindurch und plötzlich schrie Rosie:

„Da, ein großes Tier oder so etwas!“ und rannte los.

Als sie aber aus dem Strahl von Jennies Taschenlampe herausgelaufen war, blieb sie zitternd stehen. Elfriede ging zu ihr.

„Was hast du denn gesehen?“

„Augen, ein paar glühende Augen!“

Alle guckten auf die Lichtung, die sich hinter ihnen befand. Es war nichts zu sehen, aber alles wirkte so merkwürdig und fremd in dieser dunklen, regnerischen Nacht.

„Vielleicht hast du dich ja nur getäuscht. Mir ist auch mulmig zumute. Los, wir beeilen uns,“ beruhigte Jennie sie. Dann umschlossen ihre Finger noch fester die Taschenlampe und sie übernahm wieder die Führung. Immer schneller ging es nun durch den Zauberwald, so schnell, dass unsere Freunde die letzten Meter sogar liefen.

 

Als sie glücklich an der Bushaltestelle angekommen waren, atmeten sie erschöpft, aber erleichtert auf. Alle wünschten einander Gute Nacht, nachdem sie sich für den nächsten Tag verabredet hatten. Sie wollten sich dann bei Berta treffen. Die war natürlich stolz darauf und überhaupt fand sie es toll, dass Elfriede bei ihr übernachten würde. Elfriede selbst war, wie gesagt, nicht so begeistert, aber nach diesem Abenteuer war ihr das zunächst egal. Es sollte aber alles noch schlimmer kommen als befürchtet.