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Kapitel 36

Im Moor

 

"Haben sie das gehört und gesehen, Sir?" fragte der Butler und sah dem schreienden McPomm hinterher.

"Natürlich, McClown, ich bin ja nicht blöd." Lord McShredder setzte sich aufrecht auf den Baumstamm und sah, wie der flüchtende Mann irgendwo am Horizont in der Ferne verschwand. "Was immer da auch los ist, er läuft nach Norden. Das ist gut, denn in die Richtung müssen wir nicht."

"Sir, die Hamster sind verschwunden!" Frido McClown zeigte auf den leeren, geöffneten Koffer und sah den Lord entsetzt an.

 

Beide starrten mit großen Augen auf die von Fraser McPomm verlassene Hütte. Sie sah aus wie ein schweizer Käse, aus dessen Löcher Rauchwolken stiegen.

 

"Nun, McClown," sagte der Lord und zeigte auf die Hütte, "ich schätze, dass ihre kleinen Freunde dahinterstecken. Packen sie unsere Sachen und folgen sie mir. Wir werden nachschauen."

 

Hastig klaubte der Butler die wenigen Sachen zusammen, die ihnen noch geblieben waren. Der Lord hatte die Hütte bereits erreicht und betrachtete die offen stehende Tür, aus der Rauch quoll. Dann schaute er vorsichtig in die Behausung hinein, und sein Blick fiel auf das verlassene, zerwühlte Bett. Auf dem Boden standen rauchende Tassen und Gläser, Wände und Dach waren offenbar von Schüssen zersiebt. Sein Blick fiel auf den offenen Schrank. Ein Hamster hing an dem Griff der offenen Schranktür und sah den Lord verlegen an. Als er zum Tisch schaute, hob McShredder die Augenbrauen und konnte nicht so recht glauben, was er da sah.

"Ich glaube, Sir," sagte sein Butler, der inzwischen neben dem Lord stand, "wir sehen gerade das Ende einer Hamsterparty."

"Sehr schön, McClown, aber warum haben die sich Socken über das Fell gezogen?"

"Das, äh, Sir, gehört wohl zur Party dazu. Bestimmt irgendeine hamstische Sitte"

"Hamstische Sitte, McClown? Und die Einschusslöcher?"



"Nun, Sir, sicherlich gibt es auch dafür eine Erklärung."

"Und warum hängt da ein Hamster an der Schranktür?"

"Sicherlich ein hamstisches Spiel, Sir!"

"Und warum, McClown, schleppt der Hamster dort vorne eine Patronenhülse mit sich herum?"

"Er spielt doch nur, Sir."



"Er spielt, McClown? Hat er auch mit McPomm gespielt?“ Der Lord blickte nachdenklich auf den Hamster und fuhr grinsend fort: “Dann möchte ich ihm gratulieren, ein braver, kleiner Kerl!"

Der Butler atmete auf. Es wäre auch schlimm gewesen, wenn der Lord wegen dieses kleinen Zwischenfalls auf die Hamster wütend gewesen wäre und sie womöglich hier zurück gelassen hätte.

Schnell legte Frido McClown den Koffer auf den Tisch und sammelte die Hamster ein. Da die Sonne inzwischen aufgegangen war, ließen es sich die kleinen, nachtaktiven Tiere auch gefallen. Etwas Schlaf konnte nun nicht verkehrt sein.

"Sehen sie zu, McClown, dass sie noch etwas Essbares in dieser heruntergekommenen Hütte finden," krächzte der Lord und ging durch die Tür hinaus ins Freie.

Der Butler packte gerade ein paar Brote ein, als der Lord wieder in die Hütte kam und ein paar Geldstücke auf den Tisch legte.

"Von solch einem Halunken wie McPomm werde ich nichts geschenkt nehmen!" schimpfte er und rannte wieder zur Tür hinaus.



Grinsend lief der Butler hinter ihm her und folgte ihm auf dem unebenen, matschigen Weg. Wie schon auf den letzten Kilometern mussten sie immer wieder kleinere Flüsse überqueren. Es war nicht einfach, denn so manches Mal war nur ein rutschiges Brett als Brücke vorhanden.

"Wie lange müssen wir noch über Flüsse balancieren, Sir?" jammerte der Butler, der so manches Mal große Mühe hatte, dass ihm der Koffer mit den Hamstern nicht aus der Hand fiel.

"Nicht mehr lange, McClown."

"Das ist schön, Sir. Wird der Weg dann wieder bequemer?"

"Nein, McClown, dann ist gar kein Weg mehr da."

"Aber, Sir, das wird dann ja nicht besser, oder?"

"Habe ich auch nicht behauptet, McClown. Sie wollten nur wissen, wie lange wir noch über Flüsse balancieren müssen."

Der Lord blieb einen Moment stehen, schaute angestrengt nach vorne und fuhr fort. "Bald müssen wir durch die Flüsse zu Fuß hindurch oder überweg springen."

 

Der Butler sagte nichts mehr. Es war ihm egal, dass sie auf einem schlammigen, rutschigen Weg liefen und seine Kleidung total mit Dreck verschmiert war. Seine Gedanken waren weit weg im Kings House Hotel, und er dachte an Lisa McGyre. Grinsend stellte er sich vor, wie es wohl wäre, wenn sie mit auf diesen Weg gekommen wäre. Wie oft hatten sie die junge Frau wohl aus einem Fluss oder Schlammloch herausziehen müssen? Plötzlich riss ihn ein Schuss aus den Gedanken.

 

"Sir, ist das McPomm?" rief er erschrocken.

"Hab ich ihnen schon mal gesagt, dass sie erst nachdenken und dann plappern sollen, McClown?" schimpfte der Lord verärgert.

"Warum, Sir? Was ist, wenn er in die Hütte zurückgegangen ist und sein Gewehr geholt hat?"

"Dann, McClown, würde er hinter uns herumballern. Diese Schüsse aber kamen aus der Richtung, in die wir gehen müssen, nämlich aus dem Moor."

"Aber was mag das bedeuten, Sir?"

Der Lord sah seinen Butler an, als hätte der etwas sehr, sehr Dummes gesagt.

"McClown, haben sie schon einmal etwas von einer Jagdgesellschaft gehört?"

"S-sie meinen, Sir, diese miesen Menschen, die auf Tiere schießen? Auf wehrlose Tiere?"

"Nun, McClown, im allgemeinen sind Kaninchen, Fasane und ähnliches unbewaffnet."

In diesem Moment waren im Hintergrund wieder Schüsse zu hören. Vorsichtig gingen die beiden weiter durch das Moor. Nun hieß es, besonders vorsichtig zu sein, wenn sie nicht von einer verirrten Kugel getroffen werden wollten.